Reißfestes Papier ist ein Spezialpapier, das deutlich höheren Reißkräften standhält als normales Papier, im trockenen wie im nassen Zustand. Möglich wird das durch eingearbeitete Synthesefasern, die ein besonders belastbares Fasernetz bilden. So bleibt das Papier auch bei starker mechanischer Beanspruchung, Feuchtigkeit und häufigem Gebrauch stabil.
Damit ist es genau dort zu Hause, wo gewöhnliches Papier schnell an seine Grenzen kommt: bei Dokumenten, die viel benutzt werden, bei Etiketten und Karten im Außeneinsatz oder überall dort, wo ein Riss das Produkt unbrauchbar machen würde. In diesem Beitrag erfährst Du, wie reißfestes Papier tatsächlich funktioniert, worauf es bei den Kennwerten ankommt, wo es sich bewährt und wie Du das passende Material auswählst.
Normales Papier besteht aus Zellstofffasern, die vor allem über Wasserstoffbrücken zusammenhalten. Diese Bindungen sind im trockenen Zustand ordentlich, brechen aber leicht, sobald Feuchtigkeit oder eine punktuelle Belastung dazukommt. Ein kleiner Einriss reicht, und das Blatt gibt nach.
Reißfestes Papier setzt an genau dieser Stelle an. Bei Lahnpaper werden dem Zellstoff synthetische Fasern beigemischt, die über ein Bindemittel vernetzt werden. Das Ergebnis ist ein Fasernetz, das Kräfte über das ganze Blatt verteilt, statt sie an einer Stelle zu bündeln und dort abreißen zu lassen. Der Synthesefaseranteil kann dabei bis zu 70 Prozent betragen: Je höher er ist, desto höher sind mechanische Stabilität und Festigkeit. Hergestellt werden diese Materialien auf einer Schrägsieb-Papiermaschine, die die Fasern besonders gleichmäßig verteilt und so ein homogenes, belastbares Blatt ergibt.
In technischen Datenblättern begegnen Dir zwei Kennwerte, die genauer beschreiben, was ein Papier aushält, und die sich nicht immer gemeinsam bewegen:
Wenn Du ein Papier auswählst, lohnt sich der Blick auf beide Werte, besonders dann, wenn das Material Feuchtigkeit oder dauerhaftem Handling ausgesetzt ist. Ein hoher Trockenwert nützt wenig, wenn das Blatt nachgibt, sobald es nass wird.
Die alltägliche Dauerprüfung für reißfestes Papier ist die gedruckte Landkarte. Sie wird geöffnet, wieder gefaltet und in die Jackentasche gestopft, hunderte Male, oft draußen und oft feucht. Und sie versagt fast immer an derselben Stelle: am Falz. Genau dort muss das Material halten.
„Es geht nicht nur um Wasserfestigkeit, sondern auch um Langlebigkeit. Eine Landkarte lässt sich einige hundert- bis tausendmal falten, ohne zu brechen. Dieses Zusammenspiel verschiedener Eigenschaften macht ein gutes Lahnpaper-Produkt aus." (Jochen Schanzenbächer, Head of Product Development bei Lahnpaper)
Die Karte zeigt, dass Reißfestigkeit selten allein gefragt ist. Sie tritt zusammen mit Nassfestigkeit und Falzfestigkeit auf, weil die Praxis alle drei gleichzeitig abverlangt. Ein Material, das bei einem Kennwert gut und bei den anderen schwach abschneidet, versagt genau in der Situation, für die es gekauft wurde. Das richtige reißfeste Papier ist deshalb jenes, dessen Eigenschaften zusammen zu der Art passen, wie das Produkt tatsächlich benutzt wird.
Reißfestes Papier kommt überall dort zum Einsatz, wo ein Riss teuer oder gefährlich wäre. Typische Anwendungsfelder sind:
Der gemeinsame Nenner: Das Material muss halten, auch wenn es beansprucht wird.
Vor der Materialentscheidung helfen drei Fragen:
Am sichersten ist ein Test im eigenen Prozess. Deshalb empfehlen wir, vorab Muster anzufordern und das Material direkt an Deiner Anwendung zu prüfen, bevor die Auflage startet.
Für reißfeste Anwendungen bietet Lahnpaper drei bewährte Substrate.
neobond® ist ein strapazierfähiges Synthesefaser-Substrat aus ausgewählten Zellstoff- und Synthesefasern, das mit einer Spezialimprägnierung verfestigt wird. Es ist reiß- und falzfest, wasser- und chemikalienbeständig und lässt sich auf Wunsch mit Sicherheitsmerkmalen ausstatten. Mehr dazu auf der Produktseite neobond®.
pretex® ist ein imprägniertes Spezialpapier, das durch eingearbeitete Synthesefasern besonders reißfest ist, im nassen wie im trockenen Zustand. Details findest Du auf der Produktseite pretex®.
cuturon® ist ein Vliesstoff aus ausgewählten Zellstoff- und Synthesefasern, der im Nassvliesverfahren hergestellt, imprägniert und gezielt veredelt wird. Er zeichnet sich durch seine feinfaserige Struktur, Porosität und Saugfähigkeit aus und eignet sich besonders für Anwendungen, bei denen Luftdurchlässigkeit und eine besondere Optik und Haptik gefragt sind. Details findest Du auf der Produktseite cuturon®
Auf Nachfrage sind unsere Produkte nach dem FSC®-Standard zertifiziert erhältlich.
Ob Ausweis, Karte, Etikett oder Startnummer: Reißfestes Papier lohnt sich überall dort, wo mechanische Belastung und Langlebigkeit zusammenkommen. Welches Material am besten passt, hängt von der Art der Belastung, der Feuchtigkeit und dem Druckverfahren ab.
Gerne beraten wir Dich dazu persönlich und senden Dir Muster zum Testen, damit Du das passende reißfeste Papier für Dein Projekt findest.
Was macht Papier reißfest? Reißfestigkeit entsteht durch eingearbeitete Synthesefasern, die ein belastbares Fasernetz bilden und Kräfte verteilen. Je höher der Synthesefaseranteil, desto höher ist die Festigkeit.
Ist reißfestes Papier auch wasserfest? Viele reißfeste Spezialpapiere wie neobond®, cuturon® und pretex® sind zugleich wasserfest und behalten ihre Festigkeit auch im nassen Zustand.
Lässt sich reißfestes Papier normal bedrucken? Ja. Es ist für gängige Druckverfahren wie Offset-, Digital- und Siebdruck ausgelegt. Für das jeweilige Verfahren empfiehlt sich eine kurze Vorabprüfung der passenden Qualität.
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